Hingucker

„Weggeben?, niemals!“

02.03.2022

Guntram Rosenberg hat Motorräder in seinem Museum, die einmalig sind. Ein Schmuckstück ist eine AWO mit einem Tatra-Motor

Wenn von technischen Innovationen aus Deutschland die Rede ist, spricht man im Allgemeinen auch von hoher Ingenieurskunst. Guntram Rosenberg (68) ist kein ausgebildeter Ingenieur, hat aber in puncto Fahrzeugtechnik Großartiges geleistet. Wer ihn besucht, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Gelernt hat der gebürtige Buckower den Beruf eines Zimmerers und hat fast sein ganzes Leben im Straßenbau sowie als Estrich-Leger gearbeitet. Seine ganz große Leidenschaft jedoch sind Motorräder. „Wir haben damals viele Stunden mit dem Kumpels in Garagen verbracht und immer neue Ideen gehabt“, erinnert sich Guntram Rosenberg an seine Jugend und den Beginn seines Hobbys. Fahren kann er sie heute aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr, aber die technischen Details über Motorräder aus den Häusern von NSU oder Simson kennt er alle. Er hat Fahrzeuge, die längst Oldtimer sind und auch in Museen Platz finden würden. Prunkstück dabei ist eine NSU (200 01R mit Riemenantrieb), die im Jahre 1928 gebaut wurde. Über jedes Modell kann er Geschichten erzählen, denn er hat sie alle mit viel Mühe, Geschick und vor allem Liebe aus einem Schrotthaufen zu einem Schmuckstück aufgebaut. „Weggeben?, niemals!“ sagt er, und berichtet von tollen Angeboten, die ihm schon unterbreitet wurden.

AWO - die in der DDR einzig verfügbaren Motorräder mit Viertaktmotor

In seinem eigenen Museum stehen wahre Raritäten, die vor allem mit seiner Lieblingsmarke, der AWO zu tun haben. Das Motorrad wurde im Awtowelo bzw. im späteren IFA-Betrieb Simson in Suhl (Thüringen) gebaut. Es war ein beliebtes Fahrzeug, denn neben der EMW R35 wurden unter Type AWO die in der DDR einzig verfügbaren Motorräder mit Viertaktmotor gebaut. Doch damit gab sich Guntram Rosenberg nicht zufrieden. Auf dem Tank einer seiner Maschinen steht der dezente Hinweis V8. „Die Idee war, einen Tatra-Motor passend in das Motorrad einzubauen“, erzählt Rosenberg mit leuchtenden Augen. Das heißt genau, das Triebwerk kam vom fast schon legendären Tatra 603. Das Auto gehörte damals zu den Luxuskarossen. „Eine Menge musste dazu am Motorrad verändert werden. Der Tank, der nun keiner mehr ist, und der Rahmen mussten deutlich verlängert werden.“ Rosenberg gibt zu, dass er vom Motor etwas enttäuscht war, denn „bei einem Achtzylinder denkt man doch sofort an den typisch blubbernden Sound amerikanischer Automobile. Aus knapp 2,5-Liter-Hubraum leistet der Motor auch nur knapp 105 PS.“ Doch der Umbau hat sich gelohnt, denn die Maschine sieht wirklich beeindruckend aus. Gleich daneben steht eine weitere AWO, die ebenfalls zunächst Rätsel aufgibt. Auch da fällt sofort der Motor auf. „Hier schlägt ebenfalls ein Herz aus einem Automobil“, sagt Rosenberg mit Begeisterung. Verbaut wurde ein Motor aus einem Saporoschez 965 A. Viele DDR-Bürger erinnern sich wahrscheinlich noch gut an die sogenannte „Knutschkugel“ aus der ukrainischen Autoschmiede Saporisky Awtomobilebudiwny Sawod (SAS). „Wir haben unseren blau-weißen Sapo geliebt“, sagt Guntram und seine Gattin Andrea bestätigt das sofort. Kleiner Gag am Rande, das Motorrad lässt sich sogar mittels einer Fernbedienung anlassen.

AWO-Gespann mit Anhängerkupplung

Sie hat über alle die Jahre immer das Hobby und die Leidenschaft ihres Mannes geteilt. Die ehemalige Gymnasiallehrerin für die Fächer Biologie und Geographie am Strausberger Fontane-Gymnasium erinnert sich gern an die Zeiten, als sie bei Wind und Wetter unterwegs waren. Auch an den Vortag ihrer Hochzeit, als sie sich gemeinsam mit dem Motorrad zu schnell in eine Kurve legten. Der Unfall verlief glimpflich. Ich hatte allerdings überall blaue Flecke, die natürlich wenig zum Hochzeitskleid passten“ Andrea Rosenberg erzählt gern von den gemeinsamen Fahrten zu Oldtimertreffen, ist stolz auf die Pokale und Auszeichnungen, die es für die Fahrzeuge aus Rehfelde gab. Dazu gehört eine weitere AWO. Es handelt sich um ein Beiwagengespann, das sogar über eine Anhängerkupplung verfügt. „Wahrscheinlich einmalig im Land Brandenburg, aber mit TÜV-Plakette“, sagte der Konstrukteur stolz.

VW-Käfer, der nicht in Mexiko gebaut wurde

Und noch ein Schmuckstück gehört zum Fahrzeugpark (insgesamt sind es 14) der Rosenbergs. Es trägt das Nummernschild MOL GA (Guntram/Andrea) …. und ist ein feuerroter VW-Käfer Baujahr 1995. „Er hat nur knapp 30 000 Kilometer auf dem Tacho. Rarität deshalb, weil er eben nicht wie die meisten in Mexiko gebaut wurde. Ich setze mich gern mal wieder rein, um Musik zu hören. Die Anlage ist einfach großartig“, erklärt Guntram Rosenberg mit einem Lächeln auf dem Gesicht. „Mein Sohn Ingo hat ihn im Endeffekt, auch mit den weißen Felgen, so lackiert.“

Natürlich zeigt Guntram Rosenberg gern Interessierten seine Schmuckstücke und erklärt dazu Details zur Technik .Allerdings wird um eine rechtzeitige Anmeldung gebete. Telefonnummer: 033435 77007.

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