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Ein Spitzenspiel, das auch ein spitzen Spiel war

23.01.2022

Handball Oberliga Ostsee-Spree: Die Männer des MTV Altlandsberg gewinnen zu Hause gegen den BFC Preussen mit 27:23.

Der Jubel hallte noch lange durch die Altlandsberger Erlengrund-Halle, in der ja schon so manch eine Handball-Schlacht stattfand. Mit 27:23 haben die Oberliga-Männer des MTV Altlandsberg gegen den Spitzenreiter der Staffel Süd, BFC Preußen, gewonnen. Verdient, denn sie waren über weite Strecken der Partie besser. „Es war wichtig, immer in Führung zu bleiben. Die Berliner haben eine sehr erfahrene und abgezockte Mannschaft und schnell kann so ein Spiel dann auch kippen. Ich kenne die Preussen sehr gut. Bekommen sie ihre Chance, dann sind sie kaum zu bremsen“, erklärte MTV-Trainer Thomas Klatt nach der Partie.

Natürlich war auch Corona ein Begleitthema dieses Spiels. Strenge Einlasskontrollen und leider auch nur die begrenzte Zuschauerzahl gehörten zur Begegnung, die eine große Kulisse verdient gehabt hätte. Beide Trainer konnten trotz der Krise jedoch nahezu Bestbesetzung aufbieten. „Wenn ich da an unsere Nationalmannschaft denke, die aktuell bei der Europameisterschaft bekanntlich große Besetzungssorgen hat, haben wir noch Glück und kaum coronabedingte Ausfälle.“ Das betraf sowohl die Berliner, als auch den MTV. Und scherzhaft sagte Klatt: „Ja, der Bundestrainer hat angerufen. Ich habe es aber verneint, Spieler ans DHB-Team abzugeben.“

Um die Wichtigkeit dieser Begegnung wusste natürlich auch das Schiedsrichter-Duo. Kerstin Pohlmann und Karolin Sense standen vor keiner leichten Aufgabe, machten ihre Sache aber insgesamt sehr gut. „Wir wollen so wenig wie möglich ins Spiel eingreifen müssen“, sagte Kerstin Pohlamnn. „Für sie war es sicherlich schwer. Es war ein sehr schnelles und zudem überaus intensives“ Handballspiel, bemerkte nach der Partie Jakob Berger vom MTV, der den beiden Frauen ein Kompliment für ihre Leistung machte. Sie pfiffen sehr streng. So entschieden sie u. a. auf vier Strafwürfe für die Berliner und sogar zwölf für den MTV. Zudem gab es zwei Disqualifikationen. Altlandsbergs Fabian Plaul bekam die rote Karte nach einem Schlag ins Gesicht. Der Berliner Patrick Hanisch musste nach der dritten Zwei-Minuten-Strafe vom Feld.

Schon in der ersten Halbzeit hatte der MTV den Gegner im Griff. Zeitweise führten die Grün-Weißen sogar mit vier Toren. Garanten für den souveränen Spielverlauf waren Rhida Trabelsi, der mit absoluter Ruhe und Treffsicherheit vor allem die Strafwürfe verwandelte und Torhüter Kevin Deisting. Der zeigte zwischen den Pfosten großartige Paraden, zum Beispiel gegen die Würfe von Paul Otto, Maximilian Bachmann oder Matti Felix Spengler. Erst nachdem die alte MTV-Schwäche, die Chancenverwertung, wieder eklatant wurde, kam der BFC heran. „13:12 – ich habe meinen Männern in der Kabine gesagt, wir sind vorn, und das zählt zunächst. Ich war vor dem Spiel ganz ruhig und hatte ein gutes Gefühl. Das blieb auch in der Halbzeit so“, sagte Klatt.

Bei der Betrachtung der gesamten Spielzeit gab es für den MTV eigentlich nur eine kritische Phase. Zunächst fiel Fabian Plaul aus und dann auch noch Florian Riegler. Es hallte ein Schrei durch die Halle, als der Altlandsberger nach einem Sprintduell mit Frederic Nitzsche am Boden liegen blieb. Jedem in der Halle stockte in diesen Minuten der Atem. „Ich konnte gar nicht hinsehen“, sagte Jakob Berger, der nach einem zweiten Kreuzbandriss nunmehr seine Handball-Karriere beenden musste. Er erinnerte sich an seine eigene Verletzung. Riegler musste sofort behandelt werden und wurde nach dem Spiel in ein Krankenhaus zur genaueren Untersuchung gefahren. „In einer solchen Phase zeigt sich, wie gut die Mannschaft harmoniert. Und obwohl die Männer physisch am Ende ihrer Kräfte waren, steigerten sich alle. Das gibt mir als Trainer ein gutes Gefühl und dafür habe ich allerhöchste Anerkennung“, freute sich Trainer Thomas Klatt.

Doch welche Bedeutung hat dieser Sieg? „Wir werden feiern, ist doch klar. Allerdings weiß keiner, wie die Saison nun weitergeht. Wir wollen, und da bin ich mit meinem Kollegen Alexander Schwabe einer Meinung, nach Möglichkeit noch alle Spiele absolvieren. Ich kann mir jedoch auch vorstellen, dass es eine verkürzte Saison geben kann, die sogar mit Play-Off-Partien entschieden wird“, sagte Thomas Klatt.

Den Schlusspunkt in der Partie setzte der Kapitän des MTV, Dominic Witkowski, der mit der Sirene zum 27:23 traf. Witkowski hatte übrigens auch das erste Tor der Partie geworfen. Und während die Männer des MTV sich dann für den Jubel vor ihrem Fanblock versammelten, gab es auch anerkennende Worte von Anne Ruhmland, die selbst viele Jahre aktiv beim MTV spielte und heute Trainerin im Nachwuchsbereich ist: „Es war ein sehr gutes Spiel und Handball pur.“

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