Reisen - Europa

Reise ins Reich der Fantasie

Die norwegische Stadt Ålesund bietet sich als Ausgangspunkt für eine Tour zu den Fjorden an

Thies Rheinsberg ist sich sicher, wenn er behauptet, Norwegen steht insbesondere bei den reiferen Reiselustigen ganz oben auf der Wunschliste. „Sie haben in vielen Fällen auch schon einige Reiseziele besucht und heben sich Norwegen sozusagen als die Krönung auf“, sagt der Geschäftsführer von TUI-Wolters Reisen.

Was macht das Land aber tatsächlich so reizvoll? Ist es die sprichwörtlich sauberste Luft der Welt. Ist es die Landschaft, die praktisch auf jedem Reisekilometer eine Überraschung bereithält? Sind es die schmalen Fjorde mit dem glasklaren Wasser, ist es die Ruhe, ist es die Geschichte, oder sind es gar die Menschen, die das Land so großartig machen?
Olav Valheide ist norwegischer Reiseführer und sagt mit einem netten Schmunzeln im Gesicht: „Eigentlich sind wir Norweger überhaupt nicht nett. Denn wir reden jeden, weil unsere Sprache so ausgelegt ist, auch die Fremden, mit Du an. Ist das nett?“
Doch, die Norweger sind nette Leute. Warum auch nicht? Denn laut der Studie „World Happiness Report“, beauftragt durch die Vereinten Nationen, leben hinter Dänemark in Norwegen die zufriedensten Menschen. Im Rahmen dieser Studie wurden 160 Länder untersucht. Deutschland hat es dabei auf Platz 26 geschafft.

Während man früher dachte, die Reise in Europas Norden ist umständlich und schwierig, fliegt KLM heute von zehn deutschen Flughäfen zweimal pro Tag via Amsterdam nach Ålesund. Ålesund ist das siebente Ziel von KLM in Norwegen – neben Trondheim, Bergen, Oslo, Sandefjord, Stavanger und Kristiansand. Angenehm für Passagiere ist, dass die Airline die Abflugzeiten günstig gelegt hat, sodass man am Vormittag oder Mittag starten kann.
So beginnt schon nach wenigen Reisestunden der Urlaub in der Stadt Ålesund. Die Norweger sind überzeugt: Ålesund ist ihre schönste Stadt. 1904 in einer stürmischen kalten Januar-Winternacht durch einen Großbrand völlig zerstört, erhob sich die Stadt durch Wiederaufbau wie Phönix aus der Asche. Sie ist heute eine blühende Schönheit direkt am Meer. Ålesund wurde damals durch die Hilfe des deutschen Kaisers Wilhelm II. wiedererrichtet. Er war ein großer Liebhaber dieser Gegend, und noch heute wird er auf verschiedene Art geehrt.
Ein Muss in Ålesund ist ein Ausflug auf den Stadtberg Aksla. Nach 418 Stufen bietet sich auf dem Aussichtspunkt Fjellstua ein herrlicher Blick auf die Stadt und die hüglige Umgebung. Ein Ort, der scheinbar dem Reich der Fantasie entsprungen ist.

Es gibt drei Möglichkeiten, die Region zu erkunden. Eine Rundreise mit dem Bus, auf eigene Faust sowie während einer Autofahrt. Letztere erfreut sich wachsender Beliebtheit. Und egal ob mit dem eigenen Wagen oder einem Mietauto, diese Art des Reisens wird auch im kommenden Jahr Zuwachsraten erfahren.
Diesem Trend folgend, haben sich Norwegens Tourismusfachleute Gedanken gemacht und eine eigene Philosophie entwickelt, die den Namen „Straßen der Superlative“ trägt. Auch international renommierte Architekten und Künstler wurden eingeladen und beauftragt, mit ihren Ideen Rastplätze und Aussichtspunkte zu gestalten. An 19 der wichtigsten Fernstraßen des Landes wurden zudem Freizeitangebote eingerichtet. Die werden als „Nationale Touristenstraßen“ vermarktet und sind speziell auf den Autotouristen zugeschnitten.
Modernes vermischt sich mit urbanem Flair wie zum Beispiel amTrollstigen-Plateau. Ein Aussichtspunkt – traumhaft schön. Dort wurde ein futuristisches Besucherzentrum mit Restaurant und Ausstellungsbereich errichtet. Nicht entgehen lassen sollte man sich auch einen Ausflug zum ebenfalls bekannten Geirangerfjord. Seit dem Jahre 2004 gehört dieses schöne Fleckchen Erde zum Weltnaturerbe der Unesco.

Wer mehr darüber wissen möchte, besucht das Norsk Fjordcenter. Dort arbeitet eine junge Frau aus Deutschland. Wenke Remus kommt ursprünglich aus Guben, und gern erklärt sie, warum sie mit ihrer kleinen Familie vor knapp zehn Jahren aus Deutschland ausgewandert ist. „Es war die beste Entscheidung meines Lebens, und unsere Familie hat es bisher an keinem Tag bereut.“
Neben den bekannten Ausflugszielen gibt es auch Geheimtipps. Dazu zählt der kleine Ort Hornindal. Das am tiefsten See Europas, dem Hornindalsvatnet, gelegene, familiengeführte Hotel bietet traditionelle norwegische Speisen, ein Boot, einen Fahrradverleih sowie hell eingerichtete Zimmer. Auch Besitzer Jens Brokmann kommt aus Deutschland. Er führt das Hotel mit seiner Lebenspartnerin Petra. Wer einmal so richtig entspannen will: Ihr Best Western Raftevolds Hotel Hornindal liegt direkt am See in beeindruckender Ruhe. Es lohnt sich, die Spezialität des Hauses, Rentiersteaks nach Nordischer Art, zu bestellen. Zugegeben, nicht ganz billig, aber ein Genuss, den man wohl nie vergessen wird.

25 Autominuten entfernt liegt der Geirangerfjord. Und nach knapp einer Stunde hat man den mächtigen Briksdal Gletscher erreicht. Er gehört zum Nationalpark Jostedalsbreen, wo der Besucher eindrucksvoll wie anschaulich erfährt, wie sich der Klimawandel vollzieht. Der Briksdal Gletscher ist ein Seitenarm des mächtigen Jostedalgletschers, dem größten Europas. Sein Eis bedeckt 486 Quadratkilometer und ist an der dicksten Stelle 400 Meter mächtig. Er zieht sich aufgrund der globalen Erwärmung dramatisch zurück.

Seit mehr als 100 Jahren trägt Molde den Beinamen „Stadt der Rosen“. Das kleine Städtchen, beeinflusst vom Golfstrom, überrascht mit üppig blühenden Rosensträuchern: Ein kleines Wunder, denn dort gedeihen die Rosen weit nördlich ihrer eigentlichen Wachstumsgrenze.
Der Weg ist das Ziel – getreu diesem Motto bereitet das Autofahren in Norwegen noch Freude. Denn Stau ist in diesem Land noch ein Fremdwort, und die Ausschildrungen sind gut.



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