Sport aktuell

Niemals bunte Socken

19.07.2022

Robert Nitz ist Vorsitzender des Fußballkreises Ostbrandenburg

Wenn im August die Saison 2022/23 gestartet wird, ist diese auch gleichzeitig die erste, die unter der Regie des neuen Vorsitzenden des Fußballkreises Ostbrandenburg, Robert Nitz, beginnt. Der Seelower weiß um seine große Verantwortung, freut sich aber ungemein auf die kommenden Monate. Wie bei allen Fußballfans der Region ist sein größter Wunsch, dass die Serie komplett gespielt werden kann und nicht wieder Corona den Spielbetrieb unterbricht. Zudem wünscht Robert Nitz natürlich allen viel Glück und dass es keine Verletzungen gibt. Er ist für nunmehr vier Jahre als Vorsitzender des Fußballkreises Ostbrandenburg im Amt. 

Mit ihm sprach Edgar Nemschok

Der 33-Jährige ist stellvertretender Bürgermeister der Stadt Seelow und vertritt dabei Jörg Schröder. „Ganz nebenbei“ hat er einen großen Aufgabenbereich in der Verwaltung, denn er ist Fachbereichsleiter Inneres der Kreisstadt. Übrigens sind sowohl Jörg Schröder als auch Robert Nitz Mitglieder im größten Seelower Sportverein: SV Victoria.

Hallo Herr Nitz, wie geht es Ihnen derzeit?
Ich werde wieder ein wenig durchatmen, wenn mein Chef aus dem Urlaub zurück ist. Man glaubt gar nicht, was ein Bürgermeister alles zu tun hat und wie viele Termine so in der Woche anfallen. Aber ich mache das gern. Die Zusammenarbeit mit Jörg Schröder ist zudem sehr angenehm.

Sind Sie eigentlich ein echter Seelower?
Geboren bin ich in Frankfurt (Oder). Aber aufgewachsen bin ich tatsächlich in Seelow. Und hätte mich die Bundeswehr nicht nach Niedersachsen versetzt, hätte ich meine Heimatstadt nie verlassen. Acht Jahre war ich Angehöriger der Bundeswehr (Panzertruppe) in Celle.

Und dann ging es nach der Bundeswehrzeit direkt zurück nach Seelow?
Ja, das war für mich ein sehr glücklicher Umstand. In meiner Berufsförderungszeit (Bundeswehr) habe ich ein betriebswirtschaftliches Studium in Berlin abgeschlossen. Dort habe ich dann ein Jobangebot der Deutschen Rentenversicherung erhalten. Kurz vor dieser Unterschrift hatte ich ein Bewerbungsgespräch bei der Stadtverwaltung Seelow als Sachbearbeiter für das Bauamt. Den Schritt habe ich bis heute nicht bereut. Seit Sommer 2019 leite ich den Fachbereich Innere Verwaltung. Neben meiner hauptamtlichen Tätigkeit in der Stadtverwaltung habe ich noch meinen Verwaltungsfachwirt erfolgreich abgeschlossen. Und Ja, seit März 2022 bin ich zum stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Seelow gewählt worden.

Und der Sport?
In der Schule waren meine Lieblingsfächer natürlich, wie bei den meisten Jungs, Sport - aber auch die Mathematik. Seit dem sechsten Lebensjahr bin ich Vereinsmitglied beim SV Victoria. Mein Vater Eckbert, den in Seelow wahrlich jeder kennt, nahm mich mit zum Fußball und dort bin ich dann auch geblieben. Er selbst war sogar DDR-Nationalspieler im Juniorenbereich.

Aber Sie machten doch schließlich eine Karriere als Schiedsrichter?
Eine komplizierte Knieverletzung zwang mich, mit dem Fußballspielen aufzuhören. Ich wurde Schiri. Mein erstes Spiel in Trebnitz, im Jahr 2006, werde ich nie vergessen, denn ab nun stand ich sozusagen auf der anderen Seite. Ich bin allerdings der Meinung, dass jeder Schiedsrichter auch selbst einmal aktiv Fußball gespielt haben sollte.

Was ist das Besondere am Schiedsrichterjob?
Zunächst bleibt festzuhalten, ohne einen Schiedsrichter würde Fußball nicht funktionieren. Was mir immer wichtig ist, sowohl auf dem Sportplatz als auch im Beruf: die Teamarbeit und der respektvolle Umgang. Denn auch ein Schiedsrichter muss sich auf seine Assistenten verlassen können und die „Begegnung auf Augenhöhe“ sind in diesem Sport unabdingbar.

Als Unparteiischer waren Sie immer durch ihre sachlichen und kompetenten Entscheidungen sehr angesehen. Insbesondere wurde Ihre ruhige Art, ein Spiel zu leiten, sehr geschätzt. Gab es auch einmal umstrittene Entscheidungen?
Ja, natürlich. Und eine, heute weiß ich, dass ich damals falsch entschieden habe, verfolgt mich noch immer. In einem Pokalspiel des 1. FC Frankfurt gegen den MSV Neuruppin habe ich einen berechtigten Treffer für den 1. FC Frankfurt nicht anerkannt. Es lief bereits die 120. Minute und diese Entscheidung hätte den Spielverlauf wahrscheinlich noch einmal geändert. Erschwerend kam hinzu, dass der MSV Neuruppin dann im Strafstoßschießen die Partie für sich entschieden hat. Zu allem Überfluss musste man sich dann auf die Diskussionen einlassen, dass ein Seelower gegen die Frankfurter entschieden hatte und jeder kennt die Rivalitäten zwischen beiden Vereinen. Es war eine Tatsachenentscheidung, die auch ich nicht mehr ändern kann. Es war mein Fehler.

Schiedsrichter sind oft die Buh-Männer. Erinnern Sie sich an wirklich schlimme Sprüche?
Nein, eigentlich nicht. In Erinnerung bleiben eher die, über die man hinterher schmunzelt. Wie zum Beispiel: „Du Blinder“, „wir müssen morgen alle wieder arbeiten“, usw.

Herr Nitz, es gibt Spiele, die man nie vergisst?
Ein Barnim-Derby an einem Freitagabend fällt mir sofort ein. Vor nahezu 800 Zuschauern leitete ich die Partie mit meinen beiden absolut zuverlässigen Assistenten Patric Schwarz und Christian Ballin. Union Klosterfelde spielte gegen den FSV Bernau. Die Betreuung der Schiedsrichter ist bei Klosterfelde besonders hervorzuheben (schmunzelt). Der Höhepunkt meiner Schiedsrichtertätigkeit war aber das Endspiel im Brandenburger Landespokal zwischen Energie Cottbus und dem FSV Optik Rathenow im Mai 2019. Dort war ich der „Hahn im Korb“. Diese Partie wurde von Sandra Stolz geleitet.Kathi Kruse und ich assistierten.  

Sie haben jüngst geheiratet? Was sagt eigentlich Ihre Frau zu ihrem ehrenamtlichen und wohl auch sehr zeitaufwändigen Hobby?
Meine Frau Christin toleriert mein Hobby. Sie und unsere Tochter sind leidenschaftliche Reiterinnen und somit müssen wir unsere Interessen auch gar nicht teilen. Jeder hat Verständnis für den anderen und ab und zu bin ich auch beim „abäppeln“ dabei (lacht). Bei allem Aufwand steht jedoch unser gemeinsames Familienleben im Mittelpunkt.

Und wenn mal nicht Arbeit oder Fußball den Tagesinhalt bestimmen?
Zu meinen größten Leidenschaften gehört das Tauchen. Und wenn nicht gerade in den schönsten Tauschgebieten Europas, dann mit meinem besten Kumpel Markus Schneider im Baggersee bei Gusow. 

Sie waren viele Jahre Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im FK Ostbrandenburg. Auch ein Unparteiischer darf doch einen Lieblingsverein haben?
Wenn ich Werder Bremen nenne, komme ich bestimmt in keine Konflikte.

Eine letzte Frage: Was sagen Sie zu modernen Schiedsrichterkleidungen. Heute gibt es fast alles Gelb, Rosa und sogar Weiß. 
Na ja, ich bin da eher ein traditioneller Typ und sage diplomatisch: niemals bunte Socken.

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